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Das giftige Lied, Band V

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Das giftige Lied, Band V ist ein Buch in The Elder Scrolls V: Dragonborn und The Elder Scrolls III: Morrowind.

Inhalt Bearbeiten

Das giftige Lied Band V

von

Bristin Xel

Zwei Tage verbrachten die Heiler des Hauses an Tays Bett, während Baynarah an seiner Seite wachte und seine Hand hielt. Er fieberte, war wie im Delirium und schrie unsichtbare Phantome an. Die Heiler priesen das Glück des jungen Mannes. Schon häufiger waren Körper an den Ufern von Gorne angeschwemmt worden, viele während des Krieges, aber sie hatten noch nie jemanden gesehen, der danach noch lebte.


Tante Ulliah kam mehrmals herein, um Baynarah etwas zu Essen zu bringen: "Vergiss nicht, zu essen, meine Liebe, sonst muss er womöglich noch an deinem Krankenbett wachen, wenn er wieder gesund ist."


Endlich ließ Tays Fieber nach und er konnte die Augen öffnen und die junge Frau sehen, mit der er siebzehn Jahre verbracht hatte - alle bis auf das erste seines Lebens. Sie lächelte ihn an und rief, dass jemand etwas zu essen brachte. Schweigend half sie ihm, die Mahlzeit zu sich zu nehmen.


"Ich wusste, dass du nicht sterben würdest, Cousin", flüsterte sie liebevoll.


"Ich hatte es mir gewünscht, doch irgendwie wusste auch ich es", stöhnte er. "Baynarah, erinnerst du dich an die Albträume, von denen ich dir erzählt habe? Sie sind alle wahr."


"Wir können darüber sprechen, wenn du dich etwas mehr erholt hast."


"Nein", krächzte er. "Ich muss dir jetzt alles erzählen, damit du weißt, was für ein Monster du deinen lieben Cousin Tay nennst. Hättest du all das vorher erfahren können, wärst du vermutlich nicht so darauf bedacht, mich wieder gesund zu sehen."


Eine Träne kullerte Baynarahs Wange hinunter. Sie hatte sich zu einer Schönheit entwickelt, allein in den wenigen Monaten, die er in Gramfeste gewesen war. "Wie kommst du nur darauf, dass ich aufhören würde, dich zu lieben, was immer du auch getan hast?"


"Ich habe mein altes Kindermädchen Edebah gesehen und mit ihr gesprochen."


"Oh." Baynarah hatte sich vor diesem Moment gefürchtet. "Tay, ich weiß nicht, was sie dir gesagt hat, aber es war alles mein Fehler. Du erinnerst dich doch daran, wie Kena Grafisi uns von dem Haus Dagoth und der Verderbtheit erzählt hat, die ihm innewohnt. In jener Nacht sah ich, wie dein Kindermädchen auf der nördlichen Wiese eine Art Altar errichtet und dabei das Symbol des Sechsten Hauses verwendet hat. Sie muss das bereits seit Jahren getan haben, aber ich habe nie gewusst, was es bedeutete. Ich habe es Onkel Triffith erzählt, und er hat sie fortgeschickt. Ich habe es dir schon so oft erzählen wollen, aber ich hatte Angst. Sie war dir so ergeben."


Tay lächelte. "Und hat es dir nicht noch mehr Angst gemacht, dass es eine Verbindung zwischen ihrer Hingabe für mich und dem verfluchten Haus geben könnte? Ich kenne dich, Baynarah. Du gehörst nicht zu den Frauen, die ihren Verstand nicht gebrauchen."


"Tay, ich weiß nicht, was sie dir gesagt hat, aber ich glaube, dass sie sehr verwirrt war, und dass alles, was sie über dich und das Sechste Haus dachte, falsch war. Das darfst du nicht vergessen. Das Gefasel einer Verrückten beweist gar nichts."


"Das ist noch nicht alles", seufzte Tay und hob seine Hand. Einen Moment lang blinzelte er ungläubig, dann wandte er sich ärgerlich zu Baynarah. "Was ist mit meinem Ring passiert? Wenn du ihn gesehen hast, musst du längst gewusst haben, dass alles, was ich sage, wahr ist."


"Ich habe das widerliche Ding weggeworfen." Baynarah erhob sich. "Tay, du musst dich jetzt etwas ausruhen."


"Ich bin der Erbe des Hauses Dagoth." Tay war außer sich, er schrie beinahe. "Nach dem Krieg als Mitglied des Hauses Indoril aufgezogen, doch angetrieben vom Lied meiner Vorfahren. Als wir jung waren, habe ich Vaster getötet, weil das Lied mir verraten hat, dass er mein Erbe gestohlen hätte. Als Edebah mir sagte, wer ich bin, und mir diesen Ring gab, tötete ich sie und brannte ihr Haus nieder, weil das Lied mir sagte, dass sie ihren Zweck erfüllt hätte. Als ich zu Kalkoriths Haus zurückkehrte, erwartete mich meine Geliebte dort und offenbarte mir, dass auch sie aus dem Hause Dagoth stamme und meine Schwester sei. Ich floh und als Kalkorith mich aufhalten wollte, tötete ich auch ihn, da mir das Lied sagte, dass er ein Feind sei."


"Hör auf damit, Tay", schluchzte Baynarah. "Ich glaube dir kein Wort. Du redest im Fieberwahn ..."


"Nicht Tay." Er schüttelte schwer atmend den Kopf. "Der Name, den meine Eltern mir gaben, ist Dagoth-Tython."


"Du kannst Edebah unmöglich getötet haben, du hast sie doch geliebt. Und Vaster und Kalkorith? Sie waren deine Cousins!"


"Sie waren nicht meine wahren Cousins", sagte Tay kühl. "Das Lied sagte mir, dass sie meine Feinde seien. Genau wie es mir jetzt sagt, dass du meine Feindin wärst, doch ich werde nicht darauf hören. Ich werde solange nicht darauf hören, wie ich kann ..."


Baynarah floh aus dem Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu, dann nahm sie ihrer verschreckten Magd Hillima den Schlüssel ab und verschloss sie.


"Serjo Indoril-Baynarah", flüsterte Hillima voll Mitgefühl. "Ist mit Eurem Cousin Serjo Indoril-Tay alles in Ordnung?"


"Es wird ihm besser gehen, wenn er sich etwas ausgeruht hat." Baynarah sammelte sich und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. "Er darf unter keinen Umständen gestört werden. Ich werde den Schlüssel mitnehmen. Und jetzt habe ich viel zu tun. Ich nehme nicht an, dass schon jemand den Fischern gesagt hat, dass die Vorräte des Sandil-Hauses wiederaufgefüllt werden müssen."


"Nicht, dass ich wüsste, Serjo", erwiderte die Magd. "Ich glaube nicht."


Baynarah ging zum Hafen hinab und beruhigte ihr Herz auf die einzige Weise, die sie kannte: Sie konzentrierte sich auf die kleinen Dinge. Sie konnte Tays Worte zwar nicht vergessen, doch es tröstete sie eine Weile, mit den Fischern über ihren Fang zu sprechen und ihnen bei ihrer Entscheidung zu helfen, wie viele davon geräuchert, wie viele in den Ort und wie viele frisch in die Speisekammer des Hauses gebracht werden sollten.


Ihre Tante Ulliah beteiligte sich an dem Gespräch, ohne Baynarahs gut überspielten Schmerz zu bemerken. Zusammen besprachen sie, wie viele Vorräte Onkel Triffith und seine Kommandanten während ihrer Wochen auf der Insel verzehrt hatten, wann man mit ihrer Rückkehr rechnen und wie man sich am besten darauf vorbereitete könnte. Der Ruf eines Fischers auf dem Kai unterbrach sie.


"Schiff in Sicht!"


Ulliah und Baynarah begrüßten den Besucher, bei dem es sich um eine junge Frau handelte, die in das Gewand einer Tempelpriesterin gehüllt war. Während die Frau ihr kleines Boot vertäute, wunderte Baynarah sich darüber, wie schön sie war - und dass sie ihr merkwürdig vertraut vorkam.


"Willkommen auf Gorne", begrüßte Baynarah die Fremde. "Ich bin Indoril-Baynarah und das ist meine Tante Indoril-Ulliah. Sind wir uns schon einmal begegnet?"


"Nicht, dass ich wüsste, Serjo", sagte die Frau mit einer Verbeugung. "Der Tempel schickt mich, um zu erfahren, ob Ihr etwas von Eurem Cousin Indoril-Tay gehört habt. Er hat schon seit einigen Tagen seine Lektionen verpasst und die Priester machen sich Sorgen."


"Oh, wir hätten Euch Bescheid geben sollen", gab Ulliah bedauernd zurück. "Er kam hier vor einigen Tagen halb ertrunken an. Inzwischen geht es ihm aber besser. Wir werden Euch zum Haus geleiten."


"Tay ruht sich gerade aus und ich habe darum gebeten, dass er nicht gestört wird", stammelte Baynarah. "Ehrlich gesagt, ich weiß, ich bin furchtbar unhöflich, aber ich muss kurz mit meiner Tante sprechen. Dürfte ich Euch darum bitten, beim Haus auf uns zu warten? Folgt nur dem Pfad den Hügel empor und über den Rasen."


Einmal mehr verneigte die Priesterin sich demütig und machte sich auf den Weg. Ulliah war jedoch außer sich vor Empörung.


"Du solltest es eigentlich besser wissen, eine Repräsentantin des Tempels so zu behandeln", schnappte sie. "Du kannst von der Pflege deines Cousins kaum so erschöpft sein, dass du jeden Sinn für Höflichkeit verloren hast."


"Tante Ulliah", flüsterte Baynarah und nahm die Frau beiseite, sodass die neugierigen Ohren der Fischer sie nicht hören konnten. "Ist Tay wirklich mein Cousin? Er glaubt, er gehöre ... zum Hause Dagoth."


Ulliah zögerte einen Moment, bevor sie antwortete. "Das stimmt. Du warst während des Krieges noch ein Baby, daher kannst du nicht wissen, wie es damals war. Es gab kein Gebiet Morrowinds, das nicht vom Krieg heimgesucht worden war. Sogar hier auf unserer Insel gab es eine Schlacht. Erinnerst du dich noch an den verbrannten Haufen Unrat, den du, Tay und der arme kleine Vaster vor so vielen Jahren entdeckt haben? Das waren die Überreste. Nach dem Krieg, als das verfluchte Haus endlich besiegt war, fanden wir die kleinen Unschuldigen, die Waisen, deren einziges Verbrechen es gewesen war, von niederträchtigen Eltern abzustammen. Ich gebe zu, dass es einige Stimmen in unseren Reihen, den vereinigten Streitkräften der Häuser, gab, die sie liebend gerne allesamt erschlagen hätten, um das Vermächtnis der Dagoth ein für alle Mal auszulöschen. Zum Schluss siegte das Mitleid und die Kinder des Sechsten Hauses wurden von den anderen fünf aufgenommen. Und so glaubten wir, dass wir den Krieg und den Frieden gewonnen hätten."


"Bei der Mutter, dem Fürsten und dem Zauberer, wenn all das wahr ist, was Tay behauptet, dann kann es keinen Frieden geben", zitterte Baynarah. "Er behauptet, dass er das Lied seiner Ahnen vernommen hätte und dass es ihn dazu gezwungen hätte, drei Menschen zu töten, zwei davon Mitglieder unseres Hauses. Cousin Kalkorith und ... als Tay noch ein kleiner Junge war ... Vaster."


Ulliah schlug ihre Hände vor ihrem tränennassen Gesicht zusammen, nicht in der Lage, irgendetwas zu erwidern.


"Und das ist erst der Anfang", sagte Baynarah. "Das Lied spricht immer noch zu ihm. Er sagte, es gäbe andere, die es wüssten, und die ihm helfen würden, das Sechste Haus wieder neu zu errichten. Seine Schwester ..."


"Das muss alles ein böser Traum sein", murmelte Ulliah. Sie bemerkte, dass Baynarahs Blick nun auf den Pfad gerichtet war, der vom Hafen zum Haus führte. "Nichte, woran denkst du?"


"Hat die Priesterin uns ihren Namen genannt?"


Die beiden Frauen rannten, so schnell sie konnten, den Pfad hinauf und riefen nach den Wachen. Die Fischer, die die Herrinnen des Hauses noch nie so aufgeregt gesehen hatten, blickten einander kurz an und folgten ihnen dann auf dem Fuße mit gezückten Haken und Klingen.


Die Eingangstür des Sandil-Hauses stand weit offen. Die ersten Toten lagen schon kurz dahinter. Das Haus war in ein Schlachthaus verwandelt worden, angestrichen mit frischem Blut. Da war Aner, Onkel Triffiths Kammerdiener, den Bauch aufgeschlitzt noch immer am Tisch des Foyers sitzend, wo er sein nachmittägliches Glas Flin genossen hatte. Leryne, eines der Zimmermädchen, war enthauptet worden, als sie gerade ein paar ehemals saubere Betttücher nach oben bringen wollte. Die Leichen von Wachen und Dienern lagen wie vom Wind verwehte Blätter in der Halle verstreut. Am oberen Treppenende musste Baynarah ein Schluchzen unterdrücken, als sie Hillima erblickte. Sie lag am Boden wie eine zerbrochene Puppe, getötet bei dem Versuch, nach draußen auf das schmale Fenstersims zu klettern.


Niemand sprach ein Wort, weder Baynarah noch Tante Ulliah oder die Fischer, als sie langsam durch das blutbesudelte Haus schritten. Sie kamen an Tays Krankenzimmer vorbei: Die Tür war aufgebrochen, der Raum war leer. Als sie am anderen Ende des Ganges Schritte in Baynarahs Zimmer hörten, näherten sie sich langsam und vorsichtig - und voller Furcht.


Die Priesterin vom Hafen stand neben dem Bett. In der Hand hatte sie den Silberring, den Baynarah von Tays Finger abgezogen hatte. In ihrer anderen Hand hielt sie eine lange, gekrümmte Klinge, die wie ihr Priestergewand mit Blut verschmiert war. Sie lächelte freundlich und verbeugte sich, als sie bemerkte, dass sie nicht mehr allein war.


"Acra, ich hätte Euch nach Tays Beschreibungen aus seinen Briefen erkennen müssen", sagte Baynarah mit ihrer festesten Stimme. "Wo ist mein Cousin?"


"Ich bevorzuge es, mich Dagoth-Acra zu nennen", antwortete sie. "Euer falscher Cousin, mein wahrer Bruder, ist bereits unterwegs, um sein Schicksal zu erfüllen. Ich bedauere, dass Ihr nicht hier wart, damit er sich dauerhafter von Euch hätte verabschieden können."


Baynarahs Gesicht verzerrte sich vor Zorn. Sie winkte die Fischer herbei, die mit ihren Waffen näherkamen. "Reißt sie in Stücke!"


"Das Sechste Haus wird sich wieder erheben und Dagoth-Tython wird uns anführen!", rief Acra mit einem triumphierenden Lachen. Ihre Worte waren noch nicht verhallt, als sie das Zeichen der Rückkehr wirkte und sich wie ein Gespenst in Luft auflöste.

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