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Palla, Band I ist ein Buch in The Elder Scrolls V: Skyrim, The Elder Scrolls IV: Oblivion und The Elder Scrolls III: Morrowind.

Fundorte Bearbeiten

Skyrim Bearbeiten

Einsamkeit Bearbeiten

Oblivion Bearbeiten

Morrowind Bearbeiten

Inhalt Bearbeiten

Palla, Band I

von

Vojne Mierstyyd



Palla. Pal La. Ich erinnere mich noch gut daran, diesen Namen zum ersten Mal gehört zu haben, vor gar nicht allzu langer Zeit. Es war während eines Geschichten-bei-Kerzenschein-Balls auf einem äußerst feinen Landgut westlich von Mir Corrup, zu dem man mich und die anderen Schüler der Magiergilde unerwartet eingeladen hatte. Ehrlich gesagt, wir hätten nicht zu überrascht sein müssen. Es gab nur wenig andere Adelsfamilien in Mir Corrup - die Region sah ihre glücklichsten Tage als Urlaubsort der Reichen vor langer Zeit in der Zweiten Ära - und bei weiterem Nachdenken war es nur angemessen, Hexenmeister und Zauberer zu einem übernatürlichen Feiertag einzuladen. Nicht, dass wir etwas Exotischeres waren als Schüler eines kleinen, weniger exklusiven Verbindungshaus der Gilde. Aber wie ich bereits erwähnte, fehlte es an anderen potenziellen Gästen.

Fast ein Jahr lang kannte ich keine andere Heimat als das recht baufällige, weit verstreut liegende Gelände der Magiergilde von Mir Corrup. Meine einzigen Gefährten waren die anderen Schüler, von denen mich die meisten nur duldeten, und die Meister, deren Bitterkeit darüber, in einer provinziellen Gilde lehren zu müssen, sie zu nie enden wollenden Quälereien provozierte.

Die Schule der Illusion hatte mich augenblicklich gereizt. Der zuständige Meister erkannte in mir einen gelehrigen Schüler, der nicht nur die Zaubersprüche dieser Wissenschaft liebte, sondern auch ihre philosophischen Grundlagen. Etwas an der Idee, die unsichtbaren Energien des Lichts, der Geräusche und des Verstandes zu verändern, sprach mein Innerstes an. Ich war weder an den protzigen Schulen der Zerstörung und Veränderung, noch an den heiligen Schulen der Wiederherstellung und Beschwörung, den praktischen Schulen der Alchemie und Verzauberung, oder an der chaotischen Schule der Mystik interessiert. Nein, für mich gab es nichts Besseres, als ein gewöhnliches Objekt zu nehmen und es mit Hilfe von ein wenig Magie als etwas erscheinen zu lassen, das es nicht war.

Ich benötigte mehr Vorstellungskraft, als ich besaß, um diese Philosophie auch auf mein eintöniges Leben anzuwenden. Nach dem Morgenunterricht bekamen wir Aufgaben, die wir vor dem Abendunterricht erledigen mussten. Meine Aufgabe war, das Arbeitszimmer eines kürzlich verstorbenen Gildenmitglieds auszuräumen, und sein Durcheinander an Zauberbüchern, Verzauberungen und Erstdrucken zu katalogisieren.

Es war eine langweilige und einsame Pflicht. Magister Tendixus war ein unverbesserlicher Sammler wertlosen Plunders gewesen. Aber jedes Mal, wenn ich etwas von auch noch so geringem Wert wegwarf, bekam ich einen Verweis. Allmählich lernte ich, jedes Stück seiner Habseligkeiten in der dazu passenden Abteilung abzugeben: Heiltränke zu den Magistern der Wiederherstellung, Bücher über physische Phänomene zu den Magistern der Veränderung, Kräuter und Mineralien zu den

Alchemisten, und Seelensteine und beschworene Gegenstände zu den Beschwörern. Nach einer Lieferung für die Beschwörer entfernte ich mich gerade wieder mit dem üblichen Mangel an Dank, als Magister Ilther mich zurückrief.

"Junge", sagte der beleibte, alte Mann und gab mir einen Gegenstand zurück. "Zerstört dies."

Es war eine kleine, schwarze Scheibe mit Runen und einem Ring aus orange-roten Edelsteinen, die den Rand wie Knochen umkreisten

"Es tut mir leid, Magister", stammelte ich. "Ich dachte, es wäre für Euch von Interesse."

"Bringt es zu der großen Flamme und zerstört es", bellte er und kehrte mir seinen Rücken zu. "Ihr habt es nie hierhergebracht."

Meine Interesse war erregt, denn jetzt kannte ich den einzigen Gegenstand, der ihn so reagieren ließ. Totenbeschwörung. Ich ging zurück in Magister Tendixus' Kammer und blätterte durch seine Aufzeichnungen, um nach einem Hinweis auf die Scheibe zu suchen. Leider waren die meisten Notizen in einem seltsamen Code verfasst, den ich nicht entziffern konnte. Ich war von diesem Geheimnis so fasziniert, dass ich fast zu meinem Abendunterricht der Verzauberung bei Magister Ilther höchstpersönlich zu spät gekommen wäre.

Während der nächsten Wochen teilte ich meine Zeit auf: Die eine Hälfte verbrachte ich mit der Katalogisierung des allgemeinen Plunders und dessen Zustellungen, in der anderen Hälfte stellte ich Nachforschungen über die Scheibe an. Ich erkannte allmählich, dass mein Instinkt richtig gewesen war: Die Scheibe war ein authentisches Artefakt der Totenbeschwörung. Obwohl ich die meisten Notizen des Magisters nicht verstand, stellte ich doch fest, dass er sie für ein Mittel hielt, eine geliebte Person aus dem Grab auferstehen zu lassen.

Traurigerweise war die Kammer irgendwann ausgeräumt und alle Gegenstände katalogisiert. Mir wurde eine andere Aufgabe zugeteilt, nämlich in den Ställen der Gilden-Menagerie auszuhelfen. Wenigstens arbeitete ich mit einigen der anderen Schüler zusammen und hatte die Möglichkeit, das gemeine Volk und die Adeligen zu treffen, die aus unterschiedlichen Gründen zur Gilde kamen. Derart war ich also beschäftigt, als wir alle zum Geschichten-bei-Kerzenschein-Ball eingeladen wurden.

Als ob der Abend an sich noch nicht glanzvoll genug war, so wurde von unserer Gastgeberin gemunkelt, dass sie eine junge, reiche, unverheiratete Waise aus Hammerfell war. Erst ein oder zwei Monate zuvor war sie in unsere trostlose, bewaldete Ecke der kaiserlichen Provinz gezogen, um das alte Herrenhaus der Familie wieder zu bewohnen. Alle Schüler der Gilde tratschten wie alte Weiber über die Vergangenheit der mysteriösen jungen Dame: was mit ihren Eltern geschehen sein mochte und warum sie ihr Heimatland verlassen haben könnte - ob sie sogar daraus vertrieben worden war? Ihr Name war Betaniq und das war alles, was wir mit Sicherheit wussten.

Als wir beim Ball ankamen, trugen wir voller Stolz unsere Initiationsroben. In dem gewaltigen Marmorfoyer wurde jeder unserer Namen angekündigt, als ob wir zu einem Königshaus gehörten, und wir schritten dann voller Stolz in die Mitte der Feiernden. Natürlich wurden wir daraufhin prompt von allen und jedem ignoriert. Im Wesentlichen waren wir zu unwichtig, um dem Ball zu beeinflussen. Hintergrundgestalten.

Die wichtigen Leute gingen mit perfekter Höflichkeit an uns vorbei. Dort war die alte Gräfin Schaudirra, die diplomatische Berufungen nach Balmora mit dem Herzog von Rimfarlin diskutierte. Ein Kriegsherr der Orks unterhielt eine kichernde Prinzessin mit Geschichten über Notzucht und Plünderung. Drei der Gildenmagister tauschten sich mit drei dürren, adeligen, alten Jungfern über die Geister aus, die Daggerfall heimsuchten. Intrigen am kaiserlichen und an verschiedenen königlichen Höfen wurden analysiert, sanft verspottet, verworfen, eingeschätzt, gemildert, getadelt, untergraben, es wurde sich darüber aufgeregt und darauf angestoßen. Niemand sah uns an, selbst wenn wir direkt neben jemandem standen. Es war, als ob meine Fertigkeit der Illusion uns alle irgendwie unsichtbar gemacht hatte.

Ich nahm meinen Krug mit hinaus zur Terrasse. Die Monde hatten sich verdoppelt und schienen beide gleich stark vom Himmel herab und spiegelten sich in dem riesigen Teich, der sich in den Garten erstreckte. Die weißen Marmorskulpturen, die den Teich säumten, fingen das feurige Leuchten ein und schienen wie Fackeln in der Nacht zu brennen. Der Anblick war so unwirklich, dass ich davon und von den seltsamen rothwardonischen Gestalten, die unsterblich in den Stein gehauen waren, fasziniert war. Unsere Gastgeberin hatte ihr Heim erst vor so kurzer Zeit bezogen, dass einige der Skulpturen noch immer in Laken gehüllt waren, die sich in der sanften Briese bauschten. Ich weiß nicht, wie lange ich auf diesen Anblick gestarrt hatte, bevor ich bemerkte, dass ich nicht mehr allein war.

Sie war so klein und so dunkel, nicht nur ihre Haut, sondern auch ihre Bekleidung, dass ich sie fast für einen Schatten hielt. Als sie sich mir zuwandte, sah ich, dass sie wunderschön und jung war, nicht mehr als siebzehn Jahre alt.

"Seid Ihr unsere Gastgeberin?" fragte ich schließlich.

"Ja", lächelte sie und errötete. "Aber ich schäme mich etwas, zugeben zu müssen, dass ich sehr schlecht darin bin. Ich sollte drinnen bei meinen neuen Nachbarn sein, aber ich glaube, dass wir sehr wenig gemeinsam haben."

"Wie ich es verstanden habe, hoffen sie, dass ich auch nichts mit ihnen gemeinsam habe", lachte ich. "Wenn ich eines Tages einen höheren Rang als nur ein Schüler der Magiergilde besitze, werden sie mich vielleicht eher als Gleichgestellten ansehen."

"Ich verstehe Cyrodiils Konzept der Gleichbereichtigung immer noch nicht", sagte sie und runzelte die Stirn. "Wo ich herkomme, muss man seinen Wert unter Beweis stellen und ihn nicht bloß erwarten. Meine Eltern waren beide große Krieger, was ich hoffentlich auch einmal werde."

Ihre Augen schweiften zum Rasen, zu den Statuen.

"Stellen die Skulpturen Eure Eltern dar?"

"Das dort ist mein Vater Pariom", sagte sie und zeigte auf eine lebensgroße Darstellung eines muskulösen Mannes, nackt und dabei ohne Scham, der einen anderen Krieger bei der Kehle ergriff und sich darauf vorbereitete, ihn mit seinem ausgestreckten Schwert zu köpfen. Ganz eindeutig eine realistische Darstellung. Parioms Gesicht war unscheinbar, fast etwas hässlich mit einer tiefen Stirn, einer Matte verfilzten Haares und Bartstoppeln im Gesicht. Er besaß sogar eine kleine Zahnlücke, die sich sicherlich kein Bildhauer ausgedacht hätte. Stattdessen wollte der Künstler damit vermutlich die wahren Unvollkommenheiten seines Modells abbilden.

"Und das ist Eure Mutter?" fragte ich und deutete auf die nah bei uns platzierte Statue einer stolzen, ziemlich untersetzten Kriegerin in einem Umhang und Schultertuch, die ein Kind hielt.

"Oh nein", lachte sie. "Das war das alte Kindermädchen meines Onkels. Die Statue meiner Mutter ist noch mit einem Laken bedeckt."

Ich weiß nicht, was mich veranlasste, sie zu überreden, die Statue, auf die sie zeigte, zu enthüllen. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es nichts als Schicksal, und ein selbstsüchtiges Verlangen, die Unterhaltung fortzusetzen. Ich fürchtete, dass sie zwangsläufig ins Haus zurückkehren würde, wenn ich nichts zu tun gäbe - und dass ich dann wieder allein wäre. Zunächst sträubte sie sich. Sie war unschlüssig, ob die Statuen im nassen und manchmal kalten Klima Cyrodiils nicht vielleicht Schaden nehmen könnten. Vielleicht sollten alle Statuen bedeckt werden, schlussfolgerte sie. Möglicherweise unterhielt sie sich nur mit mir, weil sie ebenso wenig wie ich zurück zur eigentlichen Feier zurückkehren wollte.

In wenigen Minuten hatten wir die Statue von Betaniqis Mutter von ihrer Umhüllung befreit. Das war der Moment, in dem sich mein Leben für immer ändern sollte.

Sie war ein wilder Naturgeist, sie schrie und kämpfte mit einer missgebildeten, monströsen Gestalt aus schwarzem Marmor. Ihre wundervollen, langen Finger kratzten über das Gesicht der Kreatur. Die Krallen des Monsters packten ihre rechte Brust in einer Art Liebkosung, die einen tödlichen Angriff einleitet. Seine und ihre Beine waren in einem tanzgleichen Kampf ineinander verschlungen. Ich war am Boden zerstört. Diese geschmeidige, aber zugleich wehrhafte Frau war wunderschön, alle oberflächlichen Schönheitsideale übertreffend. Wer auch immer der Bildhauer gewesen war, er hatte nicht nur das Gesicht und die Figur einer Göttin eingefangen, sondern auch ihre Stärke und ihre Willenskraft. Sie war gleichzeitig tragisch und triumphierend. Ich verliebte mich augenblicklich und auf verhängnisvolle Weise in sie.

Ich bemerkte nicht einmal, dass Gelyn hinter uns auftauchte - einer meiner Mitschüler, der die Feier verlassen wollte. Offensichtlich hatte ich das Wort "großartig" geflüstert, denn ich hörte Betaniqi wie aus weiter Ferne antworten: "Ja, es ist großartig. Darum hatte ich Angst, es den Elementen auszusetzen."

Dann hörte ich ganz deutlich, als wenn ein Stein eine Wasseroberfläche durchbricht, wie Gelyn sagte: "Mara bewahre mich. Das muss Palla sein."

"Dann habt Ihr von meiner Mutter gehört?" fragte Betaniqi und wandte sich ihm zu.

"Ich komme aus Wegesruh, praktisch an der Grenze zu Hammerfell. Ich denke nicht, dass es dort jemanden gibt, der nicht von Eurer Mutter und ihrem großen Heldentum gehört hat. Sie hat das Land von dieser abscheulichen Bestie befreit, doch sie starb in diesem Kampf, nicht wahr?"

"Ja", sagte das Mädchen traurig. "Und die Kreatur mit ihr."

Einen Moment lang waren wir alle still. Ich erinnere mich an sonst nichts aus dieser Nacht. Irgendwie wusste ich noch, dass ich für den nächsten Abend zum Essen eingeladen war, aber mein Verstand und Herz waren gänzlich und auf ewig an die Statue gefesselt. Ich kehrte zur Gilde zurück, aber meine Träume waren fieberhaft und brachten mir keine Ruhe. Alles erschien mir wie von weißem Licht geblendet, außer einer wunderschönen, furchterregenden Frau.

Palla.

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